Die Zukunft ist mobil

Apr 2020by Alain Visser, CEO von Lynk & Co

Kann Lynk & Co die Automobilindustrie verändern?

Das Verbraucherverhalten heute lässt sich mit dem vor zehn oder sogar 100 Jahren nicht mehr vergleichen. Und das Interessante dabei ist, dass alle wirklich wichtigen Trends überall auf der Welt stattfinden. Es gibt zwar kulturelle Unterschiede, die wichtigsten Entwicklungen können aber in allen Regionen beobachten. Manche sagen, dass das Alter dabei eine Rolle spielt. Wir glauben aber, dass sich die Denkweise verändert.

Hier sind die drei relevantesten Trends für unsere Branche auf den Punkt gebracht: (1) ein Wandel weg von materiellem Besitz hin zu Erlebnisqualität; (2) ein andauernder Bedarf an Mobilität kombiniert mit permanenter Konnektivität (3) eine echte Motivation, unseren Planeten zu schützen und nachhaltig zu leben.

Aus diesen neuen Trends entstehen neue Branchen. Andere entwickeln sich weiter oder passen sich an. Und einige Branchen verändern sich seltsamerweise überhaupt nicht. Zu diesen gehört auch die Automobilindustrie. Ihr Geschäftsmodell ist seit ungefähr einem Jahrzehnt gleich geblieben. Das Produkt wird ständig weiterentwickelt – nur der Kunde tritt irgendwie auf der Stelle. Und nimmt man das Beispiel eines Mobiltelefons, zeigt sich, dass sich dieses in letzten zehn Jahren stärker weiterentwickelt hat als ein Auto in 50 Jahren.

The future is mobile

Wir sehen uns 2020!

Es ist sehr erstaunlich, dass in einer Geschäftswelt, in der Kundenkontakt entscheidend ist, um die Marke weiterzuentwickeln und den Umsatz zu steigern, die Automobilindustrie eigentlich alle Aspekte des Geschäfts abdeckt. Nur die Kontaktpunkte der Kunden wurden an die Franchise-Händler abgetreten. Nach mehr als einem Jahrhundert ist die Branche immer noch von der Technik bestimmt. Die Kundenorientierung kommt nach wie vor zu kurz.

Als wir Lynk & Co gründeten, dachten wir nicht, wir seien schlauer als alle anderen Automarken. Wir waren einfach nur der Meinung, dass diese neuen globalen Trends Raum für Veränderungen bieten. Dabei wollten aber aber etwas ganz Neues, Revolutionäres machen. Mit diesen drei globalen Trends im Hinterkopf riefen wir eine Lifestyle-Marke ins Leben, die nicht nur Autos verkauft, sondern Mobilitätslösungen und Erlebnisse bietet.

Autos werden tatsächlich 96 % der Zeit nicht genutzt. In einer Welt, in der Nachhaltigkeit endlich groß geschrieben wird, ist das wirklich erschreckend. Wir möchten die Nutzung von Autos (wir haben nur Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge) optimieren und unsere Straßen nicht noch mit weiteren Neuwagen verstopfen. Unsere Autos sollen so etwas wie Smartphones auf Rädern sein. Sie müssen also ständig vernetzt sein, damit die vielen coolen Services auch funktionieren. Alles muss einfach und transparent sein. Kein monatelanges Warten auf dein Auto. Keine variablen Preise. Keine unschönen Erfahrungen mehr.

Wir möchten die erste Mobilitätsmarke werden, die sich an den Kundenanforderungen und nicht am Produkt Auto orientiert. Dabei berücksichtigen wir alle unterschiedlichen Mobilitätslösungen, die Teil unseres Angebots werden könnten. Die erste Automarke einer neuen Generation.

Wir möchten die Kontaktpunkte der Kunden bei uns lassen und nicht an unabhängige Händler abgeben. Dadurch können wir die Vertriebskosten radikal verringern und gleichzeitig ein einzigartiges Kundenerlebnis anbieten. Und anstatt nur Autos zu verkaufen, bieten wir Lynk & Co-Mobilitätsmitgliedschaften. Genau wie bei Spotify und Netflix lassen sich unsere Mobilitätsservices monatsweise buchen.

Ein hochmodernes Produkt kombiniert mit einem komplett neuen Geschäftsmodell reicht uns aber noch nicht. Wir möchten eine coole Marke. Moderne Verbraucher kaufen heute eher Marken, als einzelne Produkte. Und nur zu versuchen, cool zu sein, ist gar nicht cool. Millennials begeistern sich nur für uns, wenn sie auch ein Mitspracherecht haben. Deswegen engagieren wir junge, talentierte Mitarbeiter aus der ganzen Welt. Die meisten haben überhaupt keine Erfahrung in der Automobilbranche und viele haben noch nicht einmal einen Führerschein. Was uns aber am wichtigsten ist: Wir möchten Spaß haben. Wenn unser Team Spaß hat, merken unsere Kunden das. Können wir das beweisen? Nein. Egal.

Wir haben unser Konzept Ende 2017 in China eingeführt. Die Marke, das Produkt und zum Teil auch das Geschäftsmodell sollten zuerst einmal getestet werden. Ende 2018 konnten wir stolz behaupten, dass wir die am schnellsten verkaufende Mobilitätsmarke der Geschichte waren. Für eine komplett neue Marke sind unsere Verkaufszahlen herausragend – ein Beweis dafür, dass Veränderung der richtige Weg ist. Die echten Bedürfnisse der Kunden und die globalen Trends wurden zu Recht in den Vordergrund gestellt.

Jetzt können wir es kaum erwarten, nach Europa zu kommen. Wir sehen uns 2020! Das Warten halt bald ein Ende ...